Gesamtschüler nahmen Kommunalpolitiker und Kommunalpolitikerin ins Kreuzverhör

Lieber Nils Marrenbach, lieber Niklas und alle anderen Organisatoren,

vielen Dank für diese Veranstaltung, die ein Auftakt sein könnte für mehr Dialog zwischen SchülerInnen und Politik. Es wurden ja (leider) große Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung von Problemen – und zwar vor allem zwischen Podium und Euch – sichtbar.  Da wünsche ich mir, weiter am Ball zu bleiben und diesen Austausch weiter zu führen und informativer zu gestalten. Ich setze da auch auf den Jugendbeirat, der hoffentlich die nächsten Jahre unser politisches Leben in Waldbröl bereichern wird. Ich habe versucht, Eure Fragen auch in dieser Hinsicht zu beantworten.

Danken möchte ich auch dem Schüler, der die letzte Frage gestellt hat: Was können WIR tun, damit mehr Geld in der Stadtkasse ist?  WIR ALLE sind potentiell Handelnde, das ist die Basis für Teilnahme und Einmischung in Dinge, die unser gemeinsames Zusammenleben regeln. Das wäre der Start in einen spannenden Austausch gewesen, aber die Zeit lief ab  … schade 

Lieben Gruss

Frank Kuhlmann Custodis

- Warum haben nicht alle Schulen 60 min. Stunden?

Das ist eine pädagogische Entscheidung der jeweiligen Schulen, besprochen und beschlossen in der Schule wahrscheinlich durch die Schulkonferenz unter Einbeziehung von Eltern und SV.  Die Gründe, die für die Einführung an der Gesamtschule gesprochen haben, müssten damals in einem Elternbrief allen Eltern erläutert worden sein. Leider reicht das Archiv auf Eurer Website der Gesamtschule nicht so weit zurück. Soweit ich mich erinnere, meine ich, dass damals seitens der Schulleitung Kontakt zu den umliegenden Schulen über diese Frage bestand. Aber jede Schule kann auf diesem Gebiet eigenständig handeln. Wenn Ihr diese Stundenregelung besser findet, infiziert SchülerInnen der anderen Schulen mit dieser Idee, überzeugt sie und diese können dann in ihrer Schule auf Veränderung drängen. (F.Kuhlmann-Custodis)

- Warum gibt es keine Zusammenarbeit mit dem Gymnasium, wenn es um Fächerwahl in der Oberstufe geht? Es gibt zu wenige Leistungskurse und auch nich Französisch oder Chemieunterricht.

So etwas gab es vor langer, langer Zeit. Im Wesentlichen muss man sagen, dass die bei der politischen Durchsetzung und Gründung der Gesamtschule aufgeworfenen Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern in den vielen Jahren nur notdürftig mal mehr, mal weniger bedeckt wurden. Das führt heute noch zu gegenseitigen Vorbehalten zwischen den Lehrerschaften der beiden Schulen, und – wie an vielen Eurer Fragen (wieso hat das Gym?) erkennbar ist – den Schülerschaften.  Nötig wäre es da zu erkennen, dass das Gymnasium nicht Euer Gegner im Kampf um Geld ist, sondern alle Schüler gemeinsam einen Gegner haben, der zwar sagt: „Bildung ist unser wichtigstes Gut" aber  letztendlich anscheinend doch andere Dinge (Bankenrettung nur als Beispiel) wichtiger findet.   Unter diesem Aspekt: Tut Euch hier vor Ort mit den Schülern des Gymnasiums zusammen und treibt Lehrer und Politiker zum Handeln:  wenn Ihr gemeinsam eine Zusammenarbeit in der Oberstufe fordert, wer will sie Euch dann verwehren? (F.Kuhlmann-Custodis)

- Die neue Verkehrslage des Höhenweges bringt nur Nachteile auf, da die Autofahrer sich jetzt durch alle engen Straßen Wege bahnen und im Winter noch nicht einmal ordentlich gestreut werden kann.

Auch die alte Verkehrslage war keinesfalls gut und gefährdete vor allem jüngere Verkehrsteilnehmer, die sich durch eine Blechlawine zu Fuß oder mit Fahrrad einen sicheren Weg bahnen mussten. Die Veränderung sollte eine Abnahme des Individualverkehrs  mit dem Auto (was auch aus Umweltgesichtspunkten zu wünschen ist) bewirken. Fahrräder und vor allem der öffentliche Nahverkehr (Busse) sollten das Auto ersetzen. Hier könnten zum Beispiel durch eine nachgewiesene deutlich größere Auslastung der Busse auch Argumente für die Verhandlungen mit der Busgesellschaft über bessere und zusätzliche Anbindungen gefunden werden, was dann auch Euren Mitschülern ohne Auto zu Gute käme. (F.Kuhlmann-Custodis)

- Was soll gegen die Kriminalitätsrate auf dem Busbahnhof unternommen werden, denn der Drogenkonsum ist dort beängstigend( auch zur Schulzeit)? Vielleicht mehr Streetworker?

Diese Frage solltet Ihr über den Jugendbeirat in den Ausschuss für Soziales einbringen und dort mit den Ausschuss-Mitgliedern ausführlich diskutieren. Es liegen zu diesem Punkt keine Konzepte vor, die Erfolg garantieren. Diese Konzepte bewegen sich zwischen Repression/Kriminalisierung/Verbieten und  Aufklärung/Reden/Einsicht erzeugen. Für die Umsetzung Konzept A ist Polizei und Ordnungsamt zuständig, für Konzept B Sozialarbeit und z.B. Streetworker, JUBS.  Unsere Gesellschaft schwankt immer zwischen den beiden Polen hin und her und das wird ständig neu verhandelt. Da werdet Ihr und Eure Erfahrungen und Kompetenz  im Ausschuss für Soziales auch für Lösungen hier vor Ort dringend gebraucht. (F.Kuhlmann-Custodis)

PS.

- (An: Peter Koester) Warum sind wir vierzügig geblieben? Wir müssen doch Schüler ablehnen!

Zur Diskussion darüber folgende Links.

Protokoll Stadtratssitzung vom 25.9.13 in der wir Grüne mit 2 Stimmen den Antrag der SPD (7 Stimmen, da 2 SPDler fehlten, siehe Teilnehmerliste) auf Sechszügigkeit der Gesamtschule unterstützt haben.

Wir haben außerdem für die nächste Ratssitzung einen Antrag auf öffentlichen Zugang zum damals diskutierten Schulentwicklungsplan gestellt, so dass jede/r die konkreten Empfehlungen, die dort gegeben wurden, nachlesen kann und sich auch ein Urteil bilden kann.

Lieben Gruss

Frank Kuhlmann-Custodis

 

 

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